Griechenland und die Falschmeldungen

Die Berichterstattung zur Griechenlandkrise war von Anfang an nicht leicht oder unkompliziert – viele Zahlen, viel Durcheinander. Doch seit Syriza in Athen regiert, ist die Stimmung in Deutschland völlig hysterisch. Das führt dazu, dass viel zu viele Nachrichten in zu kurzer Zeit ungeprüft über alle Nachrichtenkanäle gejagt werden – vor allem dann, wenn sie zum negativen Griechenlandbild passen. Drei Beispiele aus den letzten Wochen.

1. Die 800 Milliarden Franken Nummer

Die Welt am Sonntag veröffentlichte am 15.März einen Scoop, den fast alle anderen Medien übernahmen. Angeblich, so berichtete die Zeitung, lägen in der Schweiz 800 Milliarden Franken von reichen Griechen, die diese nicht anständig besteuerten. Doch der neuen Regierung so das Blatt, sei das “egal”, iehbe sich noch nicht bei der Schweizer Finanzministerin gemeldet. Eine Summe dreimal so hoch wie der griechische Schuldenstand? Die Lösung der Krise lag so nah! Später die Korrektur. Es seien nur 800 Millionen. Und da es eigentlich auch nur um die Steuern auf die Zinsen ging….egal. Aufgenommen wurde die Korrktur in kaum einem Medium,bis sich der Bildblog der Geschichte annahm. Zu Recht!

2. Der “korrupte” Anti-Korruptionsminister

Es wäre auch zu schön gewesen. Die neue griechische Regierung, die einen auf anti-korrupt macht, hat ihren ersten Minister mit krummen Geschäften. Irrer Griechen-Wahnsinn, wie die Bild schrieb. Da sollte doch George Katrougalos, Vize-Innenminister und oberster Korruptonsbekämpfer, angeblich an der Wiedereinstellung von Beamten mitverdienen. Dass sein Dementi und seine Version der Wahrheit ziemlich glaubwürdig und plausibel klingen? Geschenkt!

3. Die griechischen Luxusrentner

Das Handelsblatt meldete pünktlich zum Tsipras Besuch: Griechische Rentner bekommen mehr als Deutsche. Skandal! Dass die Zahlen alles andere als zuverlässig und glaubwürdig und beide Systeme auch nicht wirklich vergleichbar sind, mussten dann erst Spon und FAZ mit viel Mühe nachweisen. Interessiert aber eigentlich auch schon wieder keinen mehr. Das Vorurteil wird bleiben.

Dabei könnte es so einfach sein: erst prüfen. Dann melden. Und die andere Seite zumindest auch zu Wort kommen lassen. Danke.

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